„Weltraum“: Ausstellungskonzept für den Lokschuppen Rosenheim

„Weltraum“: Ausstellungskonzept für den Lokschuppen Rosenheim

Im Dezember 2025 erhielten wir vom Lokschuppen Rosenheim eine Einladungung, an einem Wettbewerb für die Gestaltung der kommenden Sonderausstellung des Museums zum Thema „Weltraum“ teilzunehmen. Für uns war die Teilnahme ein bewusster Schritt in den europäischen Markt für öffentliche Ausschreibungen, unterstützt durch die Förderung „Markteintritt“ der Wirtschaftsagentur Wien.

Das Verfahren lief in zwei Stufen. Für die erste Runde reichten wir ein kurzes Vorstellungsvideo und einen dreiminütigen Elevator Pitch mit unseren ersten konzeptionellen Ideen für die Ausstellung ein. Auf Basis dieser Bewerbung wurden wir als eines von fünf Büros in die zweite Runde eingeladen.

Die zweite Stufe verlangte ein Gesamtkonzept, einen Ausstellungsrundgang und eine visuelle Identität sowie die detaillierte Ausarbeitung eines vollständigen Raums samt seiner Medienstationen. Um alle Bereiche fundiert abzudecken, erweiterten wir das Einreichungs-Team: CPWH aus München übernahm Ausstellungsgestaltung, Szenografie und Baumanagement; PARAT.cc verantwortete Ausstellungsgrafik und Interaktionsdesign; und Jonathan Steil steuerte das Lichtdesign und die atmosphärische Bildsprache der Präsentation bei.

Am 25. März 2026 präsentierten wir in Rosenheim. Am Ende konnten wir den Wettbewerb nicht für uns entscheiden – das Konzept, das wir entwickelt haben, teilen wir dennoch gerne.

Team

Felix Betzenbichler – Produktionsleitung
Rosa Havel – Konzeption & Produktion
Bessie Normand – Grafikdesign
Ilina Kokaleska – Konzeption & Ausstellungsgestaltung

Partner

CPWH – Ausstellungsgestaltung & Szenografie
PARAT.cc – Ausstellungsgrafik & Interaction Design
Jonathan Steil – Lichtgestaltung

Gefördert durch

Wirtschaftsagentur Wien

Schriften

ABC Schengen von Dinamo

Konzept: Vom Universum zur Erde

Wir haben das Thema als Bewegung vom Großen Ganzen ins Detail aufgegriffen: Die Ausstellung beginnt mit dem Universum als Wirkungsraum, führt über grundlegende physikalische Zusammenhänge und die Entstehung von Sternen und Planeten bis hin zur Raumfahrt und Wissenschaft auf der Erde. Keine Chronologie, sondern eine thematische Verdichtung.

CPWH hat diesen inhaltlichen Faden aufgegriffen und räumlich übersetzt: Der Rundgang wechselt gezielt zwischen hellen, technisch anmutenden Innenräumen und dunklen, scheinbar grenzenlosen Außenräumen. CPWH‘s Bildsprache greift bewusst Science-Fiction-Ästhetik auf und macht sie für eine wissenschaftliche Ausstellung produktiv. Fenster und Übergänge zwischen den Räumen funktionieren architektonisch als inhaltliche Verbindungselemente.

Das Wupsi

Für die Medienstationen haben wir das Wupsi entwickelt: ein modulares, haptisches Interface, das passgenau in die vorhandenen modularen Wandelemente des Lokschuppens integriert wird. Anstelle klassischer Touchscreens setzt das Wupsi auf ein hybrides Analog-Digital-Konzept. Es wirkt wie ein technisches Instrument, das durch physische Interaktion die digitale Informationsebene steuert. Der Aufbau ist dreilagig: eine lasergeschnittene Lochblech-Front, ein Acrylglas-Chassis als Träger, und dahinter die Displays. Das Sandwich-Design hält die Elektronik zugänglich, ohne die Front zu beschädigen. Das Wupsi ist modular und kann an unterschiedlichen Stellen der Ausstellung eingesetzt werden, inhaltlich flexibel bespielbar, gemeinsam mit Kurator:innen und Wissenschaftler:innen.

Interaktive Medienstationen

Der laut Ausschreibung detailliert auszuarbeitende Raum 3, trägt den Fokus auf Physik und Materie. Die drei Stationen darin sind bewusst mit unterschiedlichen Intensitäten konzipiert. Besucher:innen brauchen zwischen dichten Inhalten Momente zum Durchatmen.

Station 1Raum und Zeit – ist inhaltlich die dichteste. Sie besteht aus zwei Wupsi-Einheiten und einem zentralen Touchtable. Die Wupsis vermitteln Raumzeit, Lichtgeschwindigkeit und Gravitation über haptische Bedienelemente: Dreh- und Schieberegler steuern die digitale Inhaltsebene, statt eines Touchscreens. Der Touchtable in der Mitte, mit Objekterkennung und simultaner Multitouch-Interaktion für bis zu zehn Personen, übernimmt die Vertiefung und eignet sich besonders für Führungen.

Station 2Meteorit – reduziert die Interaktion auf das Wesentliche. Im Zentrum steht ein echter Meteorit. Nähern sich Hände dem Stein, reagieren Projektion und Sound in Echtzeit: Je mehr Personen gleichzeitig interagieren, desto stärker der Effekt. Elektromagnetische Abstoßung wird damit körperlich erfahrbar. Die Interaktionslogik haben wir als Prototyp aufgebaut und in der Präsentation live demonstriert.

Station 3Mengenanteile / Quantenfelder – braucht keine Interaktion. Eine große Projektionsfläche mit Sitzmöglichkeiten lädt zum Verweilen ein. In zwei Modi visualisiert sie erst die Verteilung von Materie im Universum, dann die Struktur der Materie selbst: Quantenfelder in einer abstrahierten, rasterartigen Bildsprache, wissenschaftlich präzise und visuell zugänglich.